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Die Rückkehr meines Cousins aus der Armee

Mein Cousin war zwei Jahre lang in der Armee. Und heute ist der Tag, an dem er zurückkehrt.
Seine Eltern und all seine Verwandten warten ungeduldig und aufgeregt auf seine Rückkehr. Bei jedem Auto, das wir heute sehen, hoffen wir, dass er es ist, aber lange warten wir vergeblich. Es ist schon Abend und noch immer ist er nicht gekommen. Wir alle sind draußen, denn niemand kann ruhig zu Hause sitzen.
Plötzlich schreien die Kinder. Er ist da! Aber niemand ist zu sehen. Dann erscheint in der Dunkelheit ein Mann in grüner Kleidung. Das ist er-endlich! Er muss etwas abseits vom Haus aus dem Auto gestiegen sein, um sich anzuschleichen und uns zu überraschen. Seine Mutter fällt vor lauter Überraschung in Ohnmacht. Mein Cousin läuft zu ihr, küsst sie, will sie beruhigen: „Mutti, ich bin’s, dein Sohn, ich bin da, alles ist gut, ich bin jetzt bei dir.“, und schnell geht es seiner Mutter wieder besser. Als nächstes begrüßt mein Cousin seinen Vater, dann mich, dann die anderen. Nach der Begrüßung beginnen die Vorbereitungen für die Feier. Wir alle sind ausgelassen und gut gelaunt. Wir decken den Tisch, um die Rückkehr meines Cousins im kleinen Kreis zu feiern. Im Nachbarzimmer beginnen derweil die Vorbereitungen für eine große Feier am nächsten Tag. Und während sich alle Erwachsenen auf diese Feiern vorbereiten, unterhalten wir Jugendlichen uns über verschiedene Dinge, wir tanzen, spielen, und scherzen bis in den Morgen.
Mein Cousin aber fühlt sich nicht gut. Natürlich ist er froh zu Hause zu sein, aber der Lärm ist ihm fremd, er erträgt die laute Musik und die Stimmen nicht, sie machen ihn nervös. Die anderen versuchen, alles zu tun, um ihn zum Lachen zu bringen, aber vergeblich. Außer mir hört er niemandem zu. Wir beide haben uns schon immer gut verstanden und hatten nie Geheimnisse voneinander, wir sind wie Zwillinge. Ich sage ihm, dass alles Schwierige vorüber ist. Er sei jetzt zu Hause. Ich sage, solle sich freuen. Alles, was wir jetzt täten, machten nur für ihn.
Nicht sofort, aber allmählich gewöhnt er sich an die neue alte Umgebung. Er beginnt zu lächeln und zu sprechen. Das ganze Dorf und alle unsere Verwandten sind gekommen, um an der Feier teilzunehmen.
Wir gehen in die Kirche, beten und zünden Kerzen an. Auf dem Weg nach Hause machen wir eine Schneeballschlacht. Als wir zu Hause angekommen sind, beginnen wir zu essen, zu trinken, zu tanzen und Spiele zu spielen. Diese beiden Tage sind wunderschön und unvergesslich in unserem Leben.

Orte, die mir etwas bedeuten

Ich denke, dass für jeden Menschen der erste Ort, der ihm etwas bedeutet, seine Heimat ist – der Ort, wo er geboren ist, wo er seine Kindheit verbracht hat, wo seine Eltern leben. Für mich ist mein Heimatdorf am schönsten. Ich bin in Lernakert geboren, das im Hochland in Region Schirak. Mein Dorf liegt mitten in den Bergen, woher auch der Name des Dorfes stammt: . Auf einem Hügel steht ein neugebautes Kloster und im Zentrum befindet sich eine große alte Kirche aus dem vierten Jahrhundert, deren Kuppel man von Weitem sieht. Im Dorf gibt es viele neue Häuser, die deutsche Bauarbeiter nach dem Erdbeben 1988 gebaut haben. Diese Häuser sind alle einander ähnlich und geben dem Dorf ein wunderschönes Aussehen. An den Straßen gibt es viele Bäume, die die Luft des Dorfes erfrischen. Die schönsten Erinnerungen meiner Kindheit sind mit meinem Heimatdorf verbunden.
Der zweite bedeutende Ort meines Lebens ist die armenische Hauptstadt Eriwan. Hier habe ich das kulturelle Leben Armeniens kennengelernt und hier werde ich mir auch meine berufliche Karriere aufbauen.

Was mich glücklich macht – meine Familie

Was mich auf der Welt am glücklichsten macht, ist meine Familie –, wenn wir alle, meine Eltern, meine Brüder und ich zusammen sind. Ich kann mir mein Leben ohne sie nicht vorstellen. Sie sind ein Teil meines Lebens. Ich denke, dass Eltern dem Leben ihrer Kinder einen wichtigen Sinn geben. Im Unterschied zu manch anderen habe ich mit meinen Eltern keine Konflikte. Wir verstehen uns sehr gut. Meine Eltern sind nicht nur meine Erzieher, sondern auch meine besten Freunde und Berater. Sie sorgen für meine Gesundheit und dafür, dass ich alles Nötige für mein Studium und für mein weiteres Leben habe.
Es bereitet mir viel Freude, wenn wir alle abends beisammen sind, uns unterhalten, unsere Meinungen über die Probleme der Gegenwart austauschen, uns Filme ansehen, Spiele spielen und auch Scherze machen. Ich verbringe meine Freizeit sehr gerne mit meinen Eltern. Sie sind schon seit 22 Jahren glücklich verheiratet. Meine Brüder und ich ehren und achten unsere Eltern und wir sind ihnen für all das dankbar, was sie für uns tun.
Unsere Eltern verstehen uns gut und sind immer bereit, uns zu helfen, wenn wir Probleme haben. Und wir Kinder versuchen auch unsererseits alles zu tun, damit unsere Eltern immer nur zu lachen haben, damit auf uns stolz sind und unsere Familie harmonisch zusammenlebt. Unsere Laune hängt von der Laune unserer Eltern ab und ihre Laune von uns. Unsere Eltern sind für mich wie ein Schatz den wir gut hüten und ehren wollen.

Mein alter Nachbar

Ich habe viele Nachbarn gehabt. Einmal kam ich nach Hause und meine Mutter sagte mir, dass wir neue Nachbarn bekommen würden. Ich dachte, dass ich neue Freunde haben würde, aber dann erfuhr ich, dass es nur eine Person war, ein alter Mann, vielleicht 70 Jahre alt. Als er kam, waren die anderen Nachbarn erstaunt. Er war sehr gut angezogen und auch gepflegt, aber er hatte ein strenges Gesicht, das von Trauer und Gleichgültigkeit gezeichnet war. Ich hatte Angst vor seinem Aussehen und versuchte immer, ihn zu vermeiden.                                                                                                                                                                            Es vergingen Tage, dann Wochen, und niemand wollte etwas mit ihm zu tun haben. Aber eines Tages traf ich ihn vor dem Hauseingang und sah Tränen auf seinem Gesicht. Ich konnte nicht an ihm vorübergehen, also sprach ich ihn zum allerersten Mal an. Ich fragte ihn, warum er weine, und er begann, mir seine traurige Geschichte zu erzählen. Er hatte drei Söhne und eine Tochter. Sie alle waren verheiratet, seine Frau war gestorben. In jungen Jahren hatte er als Professor an der Universität gearbeitet und später auch in einer Firma, aber inzwischen hatte er seine Arbeit verloren und war in die Rente gegangen. Seine Kinder wollten nicht mit ihm zusammenleben. Außer seiner Tochter besuchte ihn niemand. Und nun weinte er, weil ihm seine Tochter gesagt hatte, sie könne ihn nicht mehr besuchen, ihr Mann erlaube das nicht. Ich beruhigte ihn und riet ihm, außer sich an niemanden mehr zu denken. Ich sagte, dass von an ich seine Enkelin sein würde und dass ich für meinen neuen Großvater sorgen wollte. Nach diesem Tag trafen wir uns öfter. Er war kluger Mann und ich habe viel von ihm gelernt. Ich habe den anderen Nachbarn seine Geschichte erzählt, und so begannen auch sie, mehr mit ihm zu reden. Einige Monate später besuchte ihn sein Sohn – weil er Geld brauchte. Deshalb hatte er sich an seinen alten Vater erinnert. Doch der Vater schickte ihn weg, und sagte, er habe außer in dieser Straße keine Familie mehr. Seine neue Familie seien die Nachbarn. Mit 75 Jahren starb mein alter Nachbar, denn er hatte aus Kummer viel zu viel geraucht.