Kategorie-Archiv: Bloggerreise

Die wichtigsten Ereignisse und Eindrücke der Bloggerreise

So etwas hatten meine Augen noch nie gesehen. Eine armenische Fahne in den Händen eines Türkens. Aber nicht mit Hass, sondern mit Verehrung und Verständnis. Eine unserer türkischen Teilnehmerinnen hatte eine armenische Fahne gekauft. Als sie die Fahne aus ihrer Schultasche herausnahm, bekam ich Gänsehaut. Das hatte ich nicht erwartet. Sie schaute mit ihren blitzenden Augen alle an und lächelte ernst. Ihr Lächeln war voller Stolz. In diesem Moment habe ich verstanden, dass wir dank dieses Programms schon einen kleinen Schritt nach vorne gemacht hatten.

Mariam, Armenien

Einer der Schlüsselmomente unseres Programms war Metins Vortrag über Nationalität und Identität am Beispiel des armenischen Völkermords. Die objektive und kritische Art mit der Metin über die damaligen Ereignisse sprach, war entscheidend für eine vorurteilsfreie Vorstellung von dem armenisch-türkischen Konflikt bei allen Teilnehmern. Für das Ziel des Programms, die türkische-armenische Versöhnung, war dieser Beitrag ausschlaggebend.

Nazlı, Türkei

Es war immer mein Traum, einmal in der Türkei zu sein. Ich habe dort wunderschöne Momente erlebt. Ich hielt mein Versprechen und traf meine Freundin Başak. Ich fühle mich sehr froh und glücklich. Ich habe so nette und freundliche Menschen kennengelernt, die jetzt meine Freunde sind. Darüber freue ich mich sehr. Leider war die Zeit sehr kurz und jetzt müssen wir uns trennen. Ich fühle Leere.

Taron, Armenien

Vor der Reise war Eriwan ein Traum für mich, aber nach nun einer Woche in Eriwan kenne ich viele Straßen, weswegen ich die Stadt nun von der Liste streichen kann. Besonders wegen der langen Busfahrten mit unserer tollen Gruppe war die Reise super. Wir haben zusammen geschlafen, schlaflos gearbeitet, gesungen und gelacht. Jetzt habe ich 23 neue Lieblingsfreunde. Auf dieser Reise habe ich außerdem gelernt, dass das wichtigste die Hoffnung ist. Und ich habe die Hoffnung, dass wir uns in der Zukunft wiedersehen werden.

Gizem Ö., Türkei

Kaum etwas wäre wichtiger und effektiver für die armenisch-türkische Annäherung, als die gemeinsamen Kulturrealien gemeinsam zu erleben. Als während einer langen Busfahrt Ferhat und Anush in ihrer jeweiligen Muttersprache das Lied „Sarı Gelin/Sari Aghtschik“ gemeinsam sangen, erfüllte die Bloggerreise  meiner Ansicht nach ihren impliziten Hauptzweck. Der wiederholte Auftritt des Duetts in der deutschen Botschaft verlieh dieser Initiative einen noch schicksalhafteren Charakter. Ich war überglücklich, den Augenblick miterlebt zu haben.

Michael, Armenien

Die beeindruckendste Situation für mich war, als sich Metin Abi sich von uns verabschiedet hat. Ich war sehr traurig. Ich hatte mich sehr an Metin Abi gewöhnt. Nachdem er nach Deutschland zurückgefahren war, fühlte ich mich wie ein Waisenkind. Ich hoffe, dass ich in der Zukunft wieder gemeinsam mit Metin Abi an einem Projekt teilnehmen kann.

Batuhan Özsoy, Türkei

Auf dem langen Weg nach Armenien, der ungefähr zwanzig Stunden dauerte, hatte ich die Gelegenheit mich außerhalb der Programmpunkte und Blogeinträge mit meinen armenischen Freunden zu unterhalten. Erst habe ich sie gebeten, mir ein paar Sätze auf Armenisch beizubringen. Eine fremde Sprache mit Einheimischen zu lernen, macht immer Spaß. Es sagt auch vieles über die Denkweise der Menschen aus. Umso später es wurde, fielen viele in den Schlaf. In der Stille unterhielten wir uns über Ähnlichkeiten und Unterschiede der armenischen und türkischen Kultur und teilten unsere persönlichen Erfahrungen, unsere Beziehungen und Gefühle miteinander. Ich finde, dass man mit Gesprächen, die sich nicht nur mit Politik befassen, sondern etwas Persönliches teilen, viel engere Beziehungen aufbauen kann. Damals im Bus war auch der Moment, an dem wir fühlten, dass wir noch viel mehr Zeit miteinander verbringen sollten.

Irem, Türkei

Vor der Reise hatte ich noch nie einen Türken getroffen und ich hatte einfach keine Vorstellung von ihnen. Ich hatte nur schlechte Dinge über sie gehört, aber jetzt habe ich eine andere, eine positive Meinung. Ich habe zehn türkische Freunde, mit denen ich jetzt verbunden bin, und will mich eigentlich nicht von ihnen verabschieden. Jeder von ihnen ist eine besondere Persönlichkeit. Wir haben zusammen eine wunderschöne Zeit verbracht und sind jetzt wie eine Familie, die aus 23 Personen besteht. Wenn nur einer fehlt, sind wir keine Familie mehr. Heute ist der Tag unserer Trennung. Wenn es möglich wäre, würde ich sie nicht gehen lassen. Ich bin mir sicher, wir sehen uns in der Zukunft wieder.

Vergesst nie: Freundschaft ist das stärkste Ding in der Welt

und kann alle Schwierigkeiten gemeinsam überwinden.

Suzanna, Armenien

Ich war ganz fokussiert auf das Bloggen. Dann kam Taron und ließ einige Sachen auf meinem Tisch. Eine Flasche Granatapfelwein (nran gini) und einen Magneten mit einem Bild Eriwans. Als ich die Geschenke sah, bekam ich ein schlechtes Gefühl in meiner Seele. Ich verstand, dass die Abschiedszeit gekommen war. Ich bin keine Person, die sehr oft weint. Aber in diesem Moment gab es nichts zu tun, außer zu weinen. Ich hätte nie gedacht, dass ein Abschied mich so traurig machen könnte. Ich habe ihn umarmt und mir gewünscht, dass dieser Moment für immer andauern würde.

Başak, Türkei

Während der Bloggerreise gab es in jeder Stadt einzigartige Eindrücke und Sehenswürdigkeiten. Alles war so verschieden zusammen verbunden, dass man es kaum voneinander trennen konnte. Beispielsweise war der Blick auf’s Meer in allen Städten anders. In Istanbul war die Bewegung auf dem Meer am auffälligsten, in Samsun seine Farbe und in Ordu die Schönheit. Insgesamt denke ich, dass in der Türkei großer Wert auf das Meer gelegt wird.

Gevorg, Armenien

Die letzten 15 Tage waren ein unvergesslicher Lebensabschnitt. Alle Momente der Reise waren beispiellos. Die Reise war eine türkische-armenische Reise, aber meine beeindruckendste Erinnerung war ein Interview mit einem kurdischen Jungen. Normalerweise habe ich keine Vorurteile. Aber es ist leicht über Gebiete und Menschen zu sprechen, die wir nicht kennen. Durch dieses Interview habe ich gelernt, dass wir diese Menschen kennenlernen und diese Gebieten bereisen müssen, um uns eine Meinung zu bilden und ihnen helfen zu können. Das gilt auch für Armenien. Viele Menschen haben ein schlechtes Bild von Armenien, aber sie kennen keine Armenier. Das ist nur ein Vorurteil. Diese Reise hat uns geholfen, die Armenier kennen zu lernen. Jetzt habe ich viele armenische Freunde und auch viele neue türkische Freunde, die genauso denken wie ich. Wir können alles miteinander machen, wenn wir zusammen sind.

Aydan, Türkei

Im Museum der anatolischen Zivilisationen in Ankara habe ich viele überraschende Sachen und Denkmäler gesehen. Zum Beispiel habe ich die Keilschrift des Königs der alten urartäischen Zivilisation Argischti bewundern können. Das war sehr beeindruckend, weil in Armenien alle die Geschichte von Urartu aus der Schule kennen und die alte Hauptstadt von Urartu im Gebiet von Eriwan liegt. Im Museum habe ich Anatolien als das Wohngebiet der Menschen und Nationen erkannt, in dem später die Armenier und Türken zusammen gelebt haben.

Arshak, Armenien

Die Bloggerreise war sehr gut. Wir haben bei diesem Projekt viele gute Freunde kennengelernt. Mit diesem Projekt habe ich meinen Horizont erweitert. Ich habe auf Fragen, die ich mir seit meiner Kindheit stelle, in Eriwan Antworten gefunden. Wir haben viele Städte besucht und verschiedene Gerichte probiert. Durch dieses Projekt habe ich ein neues Weltbild gewonnen. Besonders Metin Abi war hat uns weitergebracht. Er ist sehr intellektuell und klug. Er hat uns mit seinen Informationen und Gedanken aufgeklärt. Ich möchte mich bei Mira und Wiebke dafür bedanken, dass sie Metin Abi eingeladen haben. Abschließend kann man sagen, dass dieses Projekt sehr hilfreich war und ich möchte mich nicht von meinem neuen armenischen Freund Taron trennen. Ich hoffe, dass wir uns bald in Istanbul wiedersehen werden.

Ferhat, Türkei

 

Ich werde nie den Moment vergessen, als zwei Türken auf dem Boden des Zizernakaberd–Denkmals saßen und mit feuchten Augen auf die ewige Flamme starrten. Für mich war es sehr spannend zu sehen, wie die jungen Türken unser Leid respektierten und an ihre Vergangenheit dachten. Mir war es nicht wichtig, dass sie sich schuldig fühlen. Mir reichte es, dass sie sich mit der Wahrheit konfrontiert hatten. Ihre feuchten Augen waren alles für mich.

Anush, Armenien

Für mich war unsere Freundschaft das eindrucksvollste Ereignis. Ich konnte am Ende nicht mehr unterscheiden, wer ein Armenier und wer ein Türke war. Es war so, als wären wir alle aus derselben Nation. Es fühlte sich so an, als ob ich alle schon seit langer Zeit kennen würde. Jeder Einzelne hat eine besondere Eigenheit, die mir vieles beigebracht hat. Ich bin sehr froh, dass ich solch gute Freunde getroffen habe. Und jetzt ist es schwer, alle zu verabschieden. Trotzdem bin ich für alles dankbar.

Ipek, Türkei

Eine kurze Geschichte, ein kurzes Leben,

Ein kleines Stück von einigen Herzen,

Ruft uns schnell, ruft uns eifrig,

Ohne Träne, ohne Traurigkeit.

Zwei Wochen, wunderbare Wochen, ich kann sie nicht beschreiben, es war super, lustig, cool. Kein Wort passt zu diesem Gefühl. Viele Freunde, neue Überraschungen, neue Erkenntnisse. Ich werde mich immer dran erinnern. Ich bin sehr dankbar.

Vielen Dank liebe Wiebke

Vielen Dank liebe Mira

Vilene Dank lieber Andreas

Vielen Dank lieber Metin

Vielen Dank DAAD

und

Vielen Dank meine lieben Freunde

Zare, Armenien

Zare und Aydan im Jahr 2055

Aydan – Hallo!

Zare – Hallo!

Aydan – Wie geht es dir?

Zare – Es geht, danke, und dir?

Aydan – Danke , gut.

Zare – Aydan, wo wohnst du jetzt?

Aydan – In Çeşme. Das liegt im Westen der Türkei.

Zare – Warum gerade Çeşme?

Aydan – Weil ich das Meer sehr mag, aber ich kann auch nicht von der Großstadt lassen und Çeşme liegt nah bei Izmir. Und wo wohnst du?

Zare – Liebe Aydan, für mich ist es sehr schwer zu sagen, wo ich eigentlich lebe. Ich habe kein Haus. Ich wohne, wo ich will, weil ich meinen Traum lebe. Und mein Traum ist, humanitäre Arbeit für alle zu machen. Das bedeutet, dass ich schon überall war.

Wieviele Kinder hast du?

Aydan – Ich habe vier Kinder, und du?

Zare – Ich habe sechs Kinder adoptiert. Warum ausgerechnet sechs Kinder? Als ich noch ein Kind war, habe ich gesagt, dass ich sechs Kontinente einen möchte, also dorthin  Gleichheit und Freiheit bringen will. Mein Versuch ist schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. In meiner Familie leben Menschen aus sechs Kontinenten und alle lieben einander sehr, würden sogar füreinander ihr Leben geben. Das ist meine Familie.

Was hast du so gemacht? Also, welche schweren und guten Zeiten hast du erlebt?

Aydan – Ich habe bis letztes Jahr gearbeitet. Jetzt habe ich ein kleines Cafe .Und du?

Zare – Wie gesagt, ich war in vielen Länder und habe vieles mit meinem Mann gemacht. Ich bin ihm dankbar, dass er mir viel geholfen hat und meine Idee unterstützt hat.

Hast du Enkel?

Aydan – Nein, ich habe keine. Meine Kinder sind noch nicht verheiratet, und du?

Zare – Ja, natürlich. Ich habe schon zwei Enkel, Zwillinge. Tollerweise leben wir zusammen. Ich bin sehr froh und stolz. Was gab es für schmerzhafte Erfahrungen bei dir?

Aydan – Ich will nicht darüber sprechen, und bei?

Zare – Ayyy, ehrlich gesagt gab es viele Schwierigkeiten und Enttäuschungen gehabt, die nicht leicht für mich waren. Aber am schmerzlichsten war der Verlust. Eigentlich habe ich nur Angst davor.

Aydan –  Hast du jemanden verloren?

Zare – Ja. Leider ja. Ich habe viele verloren, einige leben noch und einige nicht mehr. Ich kann das nicht vergessen. Jeden Morgen erinnere ich mich und der Schmerz ist da, weil ich weiß, dass ich sie nie wieder sehen werden kann.

Aydan – Hast du Angst vorm Sterben?

Zare – Komisch, man spricht beim Thema Sterben immer über Schmerzen und Angst. Ich habe kein Angst, hatte ich noch nie! Als ich drei Jahre alt war, habe ich das zum ersten Mal gesagt, weil damals in meinem Leben etwas sehr Wichtiges geschehen war, was mein Leben komplett verändert hat und seitdem war ich erwachsen. Warum ich kein Angst habe? Weil ich nicht weiß, was danach kommt. Und du?

Aydan – Nee, mir geht’s genauso.

Zare – Danke, liebe Aydan, unsere Begegnung war sehr interessant.

Aydan – Ja, dir auch vielen Dank!

Türkisch-armenisches Verwandtschaftsvokabular

Hier eine Aufstellung einiger Wörter, die in beiden Sprachen vorhanden sind. Im Armenischen haben sie meistens einen sehr umgangssprachlichen Charakter. Manche türkischen Wörter können arabischer Herkunft sein. In eckigen Klammer werden die armenischen Wörter auf Deutsch (mit ch, tsch usw.) transkribiert, (ungefähr) übersetzt (wobei die meisten türkischen Wörter phonetisch und semantisch ähnlich sind) und manchmal für Armenier mit literarischen armenischen Äquivalenten versehen.

Die Reihenfolge ist immer: Türkisch – Armenisch [Transkription]: deutsche Übersetzung

(içli) köfte – (իշլի) քյուֆտա [ischli qjufta]: Frikadelle

aman – աման [aman]: ungefähr: „du meine Güte!“

aziz – ազիզ [aziz]: wie: „lieb(e/er)“

baht – բախտ [bacht]: Glück, Schicksal

bereket – բարյաքյաթ [baraqjat]: Fruchtbarkeit, Segen

biber – բիբար [bibar] (պղպեղ): Paprika

bırakmak – բրախել [brachel]: etw. (liegen) lassen

bol bol – բոլ բոլ [bol bol]: reichlich

boy – բոյ [boy]: (Körper) Größe

cahil – ջահել [dschahel]: unerfahren (und einfältig)

çamur – չոմուռ [tschamur]: dreckig; չամռվել [tschamrvel]: belästigen

can – ջան [dschan]: Leib / Seele

çap – չափ [tschap]: Größe, Durchmesser

çare – ճար [tchar]: Ausweg, Heilmittel

cep – ջեբ [dscheb] (գրպան): Hosentasche

çerez – չարազ [tscharaz]: Vorspeise (auch Trockenfrüchte, Nüsse)

çöl – չոլ [tschol]: Wüste

dert – դարդ [dard]: Leiden, Sorge

dik – դիք [diq]: Steilhang

haber – խաբար [chabar] (նորություն): Nachricht

haç – խաչ [chatsch]: Kreuz

hâlâ – հըլը [hələ] (դեռ): noch immer

halı – խալի [chali]: Teppich

hasiyet – խասյաթ [chasjat] (բնավորություն): Charaktereigenschaft,

hatır – խաթր [chatr]: ungefähr: Ansehen, Achtung; vgl. hatırım için – [chatris hamar]: aus Gefälligkeit

hayvan – հայվան [hajwan]: „Tier“ (auch als Schimpfwort)

hem (…) hem (…) համ (…) համ (…) [ham (…) ham (…) ]: sowohl (…) als auch (…)

herif – հարիֆ [harif]: Kerl, Trottel

heves – հավես [hawes]: Lust auf etwas

hıyar – խիյար [chijar] (վարունգ): Gurke

inadına – ինադու [inadu]: jdm. zum Trotz, ausgerechnet

kâr – քյար [qjar]: Gewinn, Profit

keyif – քեֆ [qef]: gute Laune, Vergnügen

kiraz – կեռաս [keraz]: Süßkirsche

kısmet – ղըսմաթ [ghsmat]: ungefähr: Schicksal, Verhängnis

kök – քոք [qoq] (արմատ): Wurzel

kör – կյոռ [qjor] (կույր): blind

küfür – քֆուր [qfur] (հայհոյանք): Schimpfwort

kurban – ղուրբան [ghurban]: Opfer

leke – լաքա [laqa]: schmutziger Fleck

meydan – մեյդան [meydan]: (öffentlicher) Platz

mum – մոմ [mom]: Kerze

namus – նամուս [namus]: Ehre

nar – նուռ [nur]: Granatapfel

nişan – նշան [nschan]: Zeichen, Verlobung

örnek – օրինակ [orinak]: Beispiel

oyun – օյին [ojin]: Spiel, Partie

para – փարա [para]: Geld

peynir – պանիր [panir]: Käse

pis – փիս [pis]: dreckig, gemein

rastlanmak – ռաստվել [rastvel]: jdm. zufällig begegnen

sağ – սաղ [sagh]: gesund, lebendig

sille – սիլլա [silla] (ապտակ): Ohrfeige

şişe – շիշ [schisch]: Flasche,

suspus – սուս(փուս) [sus(pus)]: (sei) still

taze – թազա [taza] (նոր): frisch, neu

tel – թել [tel]: Faden

tembel – թամբալ [tambal]: faul, Faulpelz

ters – թարս [tars]: gegensätzlich, umgekehrt

tike – թիքյա [tiqja]: kleiner Teil, bisschen

tıraş – թրաշ [trasch]: Rasur

usta – ուստա [usta]: Meister

yağ – յուղ [jugh]: Öl

yan – յան [jan], (rechte / linke) Seite

yani – յանի [jani] (իփրև): angeblich

yavaş yavaş – յավաշ յավաշ [javasch javasch]: langsam, nach und nach

yol (açmak) յոլ [jol], z.B. in յոլլա գնալ [jolla gnal]: ungefähr: über die Runden kommen

zeytin – զեյթուն [zeytun]: Olive

zor – զոռ [zor]: Schwierigkeit, Mühe

Zudem gibt es eine Vielzahl an ähnlichen oder gar gleichen morphologisch-syntaktischen Konstruktionen und Redewendungen im Armenischen und Türkischen.

Interessant ist auch der armenische Familienname „Demirdschjan“. Seinem türkischen Ursprung zufolge bzw. seiner eigentlichen Bedeutung nach ist er mit dem armenischen Familienname „Darbinjan“ synonym, weil „demirci“ auf Türkisch eben „դարբին“ [darbin] – „Schmied bedeutet.

Michael

Die blonde Braut / Für die Winde der Berge will ich sterben

In Erzurum gibt es viele Basare, o meine Leyla,
O meine Leyla, o meine Leyla, meine blonde Braut.
Dort geht ein Mädchen, möge ihr Mütterchen sterben, o blonde Braut,
O blonde Braut, o blonde Braut, o Geliebte.

Für die Winde der Berge will ich sterben,
Für die Größe meines Geliebten will ich sterben.
Schon ein Jahr
Habe ich ihn nicht gesehen.
Wer ihn sah,
Für seine Augen will ich sterben.

In Erzurum gibt es einen Vogel, o meine Leyla,
O meine Leyla, o meine Leyla, o meine blonde Braut.
Er hat Silber an seinen Flügeln, o möge ihr Mütterchen sterben, o blonde Braut,
O blonde Braut, o blonde Braut, o mein Liebchen.

Ich stehe hier und kann nicht gehen,
Bin voller Tränen und kann nicht weinen.
Schon ein Jahr
Habe ich ihn nicht gesehen.
Wer ihn sah,
Für seine Augen will ich sterben.

In ihrer Hand hat sie eine Feder, o meine Leyla,
O meine Leyla, o meine Leyla, o meine blonde Braut.
Sie schreibt gegen meinen Kummer eine Arznei, o möge ihr Mütterchen sterben, o blonde Braut,
O blonde Braut, o blonde Braut, o mein Liebchen.

Die Flüsse führen kein Wasser,
Keine Nachricht von meinem Geliebten.
Vielleicht ist sein Herz erkaltet,
Schreibt mir keinen Liebesbrief.
Schon ein Jahr
Habe ich ihn nicht gesehen,
Wer ihn sah,
Für seine Augen will ich sterben.

Palandöken ist ein schöner Berg, o meine Leyla,
O meine Leyla, o meine Leyla, o meine blonde Braut.
Unter dem Weinberg gibt es violette Hyazinthen, o möge ihr Mütterchen sterben, o blonde Braut,
O blonde Braut, o blonde Braut, o mein Liebchen.

Ich gebe dich nicht in fremde Hände, o meine Leyla,
O meine Leyla, o meine Leyla, o meine blonde Braut.
Wie schlimm ist dieser Zustand, o meine Leyla,
O meine Leyla, o meine Leyla, o meine blonde Braut.

Mira, İrem, Ferhat, Anush, Wiebke

Paradschanow und die kleinen Überraschungen

Weil ich unbedingt das Paradschanow Museum besichtigen wollte, bin ich heimlich in der Mittagspause dorthin gerast. Als ich am Museum ankam, begrüßte mich ein Mann, sagte den Preis und fragte mich, woher ich komme. Für ein Paar Sekunden hatte ich die Frage ignoriert und konzentrierte mich darauf, ihm das Eintrittsgeld zu geben. Als er das zweite Mal fragte, dachte ich: „Wie schlimm könnte schon ein Mitarbeiter in einem Museum, das Paradschanow gewidmet ist, reagieren?“ Also sagte ich, dass ich aus der Türkei komme. Ich kannte Paradschanow als Regisseur, aber auch von seiner Kunst war ich sehr begeistert. Nach meiner Besichtigung habe ich den gleichen freundlichen Mann gefragt, wo ich ein Taxi finden könnte. Auf der Straße fand ich einen alten Taxifahrer. Ich rief Michael an, damit er dem Fahrer den Weg erklären konnte. Während der Fahrt fragte mich der Mann auf Armenisch, ob ich Armenierin sei. Ich habe seine Fragen auf Armenisch mit „ja“ und „nein“ beantwortet. Er hat mir – soweit ich es verstanden habe – gesagt, dass ich unbedingt Armenisch lernen solle. Dann hat er angefangen zu raten, woher ich komme. Amerika, Spanien, Italien, Polen, Russland, Frankreich und Deutschland. Als wir ankamen,  gab ich ihm das Geld und sagte auf Armenisch :“Yes yegel em Turkeyz“. Daraufhin hat er mit seinem Zeichenfinger zuerst auf sich und dann auf mich gezeigt, womit er sagen wollte, dass er auch aus der Türkei kommt.

Irem

Sevan, eine Stadt zu Hause

Früh am Morgen waren wir nach Sevan aufgebrochen. Als wir an der Bushaltestelle ankamen, erfuhr ich, dass man in Armenien für nahe Städte keine Busse, sondern „Marshrutkas“ benutzt. So warteten wir eine halbe Stunde, bis alle Plätze im Minibus belegt waren.

In Eriwan hatten wir viele Verkehrsmittel benutzt und uns wie ein Armenier gefühlt. Diese Fahrt, die eine Stunde dauerte, war die längste die wir bis dahin in Armenien gemacht hatten. Der Weg nach Sevan war von Bergen umrahmt. Der klare Himmel und die Wolken über der Steppe waren beindruckend. Nach unserer Ankunft sind wir ein kleines Stück durch die Stadt gelaufen, bis wir bei Yerahunis Haus ankamen. Die ganze Familie hat uns an der Tür begrüßt. Yeranuhi hat uns gleich zu ihrem Gewächshaus geführt, wo wir verschiedene Sorten von Früchten und Gemüsen begutachteten. Ein kleines Kätzchen, völlig verschlafen in der Hitze, ließ mit sich schmusen.

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Nach ein paar Minuten kamen Nadja und Ivan. Yeranuhis Familie begrüßte sie und fing selber an, Fragen zu stellen. Das Interview war sehr angenehm. Die Familie lächelte uns an, so dass wir den Eindruck hatten, sie waren zufrieden. Gleich nach dem Interview sind wir in den Garten gegangen, um Gemüse zu pflücken. Nachdem wir Fotos mit der russischen Familie gemacht hatten, bestand Yeranuhis Familie darauf, dass die beiden auch zum Mittagessen blieben. Die Art und Weise, wie sie die Gastfreundschaft mit ihrer Körpersprache ausdrückten, war genauso, als wären wir in der Türkei und hätten selbst Besuch.

Fünf Minuten später saßen wir an einem riesigen Tisch und die ganze Familie war versammelt. Armenier, Türken und Russen, alle zusammen an einem Tisch mit Gerichten, die wir seit hunderten von Jahren gemeinsam haben. Es gibt Momente, in denen man nicht unbedingt dieselbe Sprache sprechen muss, um kommunizieren zu können. Das war einer dieser Momente, in dem Essen alle Grenzen öffnete. Nach dem Essen hat uns die Familie ihr Haus gezeigt. Yerahunis Mutter hat uns ihre Sammlung von Perlenstickereien vorgeführt, Yeranuhis Bruder die Bilder, die er gemalt hat. Als wir uns von der russischen Familie verabschiedeten, luden sie uns ein, wieder nach Sevan zu kommen. Sie haben sogar unsere Kontaktdaten aufgeschrieben, so dass ihre Kinder uns kontaktieren können, falls sie nach Istanbul kommen.

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Nach diesem hervorragenden Mittagessen haben wir uns mit der Familie Richtung Sewanawank, der Halbinsel, auf der das gleichnamige Kloster liegt, aufgemacht. Der Weg zum Kloster führte über die Küste vom Sevansee: Pepsi- und Coca Cola-Schirme, Zelte und ein kleiner Basar, der mich an meine Sommerferien als Kind in Izmir erinnerte. Das Kloster lag auf der kleineren Seite von Sevan. Der blaue Himmel, Berge und Wolken umrahmten den stillen See. Man könnte stundenlang vor dem Kloster sitzen, vielleicht etwas schreiben oder einfach das Blaue ansehen. Ein alter Mann spielte Oud und sang armenische Lieder. Yeranuhi erzählte uns, dass er jeden Tag auf den Treppen des Klosters dieselben Lieder singt. Weil wir sehr wenig Zeit hatten, sind wir schnell zum See gegangen. Wir hörten persische Popmusik und erfuhren, dass viele Perser im Sommer nach Armenien kommen, um Urlaub zu machen. Deshalb sei es üblich, dort persische Lieder zu hören.

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Wenn man das erste Mal am Sevansee ist, soll es Glück bringen, ins Wasser zu gehen. Da wir nur wenig Zeit hatten, haben wir nur unsere Hände erfrischt. Danach sind wir wieder nach Hause gegangen, wo Yeranuhis Mutter frische Gatas für alle Blogger gebacken hatte. Das frische Gemüse, das wir gepflückt hatten, gaben sie uns dazu. Yeranuhis Onkel, der uns unbedingt kennenlernen wollte, kam auch noch vorbei. Als wir uns von der Familie verabschiedeten, lud uns die ganze Familie ein, wiederzukommen. Yeranuhis Onkel sagte, dass die junge türkische Generation nicht für den Völkermord verantwortlich ist und dass es sehr wichtig ist, uns zu versöhnen.

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Der kleine Ausflug nach Sevan gab mir das Gefühl, dass die Grenze zwischen Armenien und Türkei eine erfundene Erscheinung ist und dass diese Grenze eigentlich nicht zwischen den Völkern existiert. Man fühlt sich, als ob man einen kleinen Ausflug zu einem Ort gemacht hätte, an dem man zu Hause ist.

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Irem

Über Sevan, Molokanen und Patriotismus

Wir wurden von dem russischen Paar Ivan und Nadja herzlich begrüßt und haben direkt mit dem Interview angefangen.

Wann sind sie hierher gekommen? Oder sind sie hier geboren? Was ist ihre Lebensgeschichte?

Ivan: Im Jahre 1840, als Nicolai der Erste der König von Russland war, hat er die Molokanen wegen ihrer Religion aus Russland in verschiedene Länder ausgewiesen.  Molokanen sind auch Russen, nur ihre Religion unterscheidt sich von der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Die Molokanen glauben nur an Jesus Christus, sie akzeptieren nicht das Kreuz als Symbol. Sie denken, dass Jesus Christus bei der Kreuzigung sehr gequält wurde und deswegen betrachten sie das Kreuz nicht als etwas Heiliges. Wegen dieser Meinungsverschiedenheit hat Nicolai der Erste diese Gemeinde gesammelt nach Zentralasien und in den Kaukasus getrieben: Semyonovka, Kalinov, Karakli, Fialetov, Eriwan und sogar Kars. Eine Gruppe hat im heutigen Sevan das Dorf Yelenofka gegründet und wohnt bis heute an diesem Ort. Wir stammen aus dieser Gemeinde.

Wie war Ihre Kindheit und wo haben Sie sie verbracht?

Nadja: Wir haben unsere Kindheit in einer russischen Umgebung verbracht, aber obwohl unsere Schule russisch war, waren die meisten unserer Freunde Armenier.

Haben sie Konflikte mit Armeniern gehabt?

Ivan: Nie. Die Bevölkerung unserer beiden Nachbardörfer, ein russisches und armenisches, lebt bis heute in Frieden.

Sind sie Russen oder Molokanen?

Ivan: Wir sind Russen, aber man nennt uns Molokanen.

Was bedeutet das Wort Molokan?

Ivan: Es gibt zwei Versionen. Einige sagen, dass es in der Region Tambov ein Fluss mit dem Namen Malagavar gab, wo unsere Vorväter gelebt haben. Ein andere Version führt den Namen darauf zurück, dass es nur wenige von diesen Leuten gab. Auf Russisch heißt wenig „malo“ und deswegen hat man diese Menschen so genannt.

Wie war ihre Jugend?

Nadja: Nach dem Grundschulabschluss sind wir zusammen zum Gymnasium gegangen. Besonders die Pionerzeiten mit Reisen in verschiedene Länder sind uns in Erinnerung geblieben.

Ivan: Damals gab es keine Grenzen. Besonders zu Zeiten der Sowjetunion hatten wir die große Möglichkeit, zu günstigen Preisen ins Ausland zu fahren. Wahrscheinlich hatten wir damals mehr Möglichkeiten als die heutige Generation.

War es leicht als Teil einer Minderheit eine Arbeit in Armenien zu finden?

Nadja: Wir haben uns hier nie als Fremde gefühlt. Wir waren und sind Bewohner dieses Landes. Wenn das Volk in einer schlechten Situation war, wie zum Beispiel in den neunziger Jahren, war unsere Situation auch schlecht. Jetzt ist es viel besser geworden und hoffentlich bleibt es so.

Ivan: Was die Arbeit betrifft, haben wir keine Probleme. Ich bin Schweißer. Oft wählen die Arbeitgeber sogar speziell Russen aus, weil sie mehr Vertrauen in ihre Arbeit haben.

Gibt es Feiertage, die sie gerne feiern?

Nadja: Wir feiern nicht nur russische, sondern auch armenische Feste. Unser beliebtestes Fest ist Ostern. Im Unterschied zu den Armeniern feiern die Russen Ostern an einem anderen Tag  wir feiern beide.

Ivan: Wir feiern aber religiöse Feiertage nicht so stark. Wir glauben an Gott und für uns ist es wichtig von ganzen Herzen gläubig zu sein und immer gutes zu tun. Sehr wichtige Tage sind für uns unsere Geburtstage und Hochzeiten.

Nadja: Es war auch ein sehr besonderer Tag, als unsere Tochter ihr Medizinstudium absolviert hat.

Welche Sprache sprechen sie zu Hause?

Ivan: Meistens sprechen wir auf Russisch, aber wir benutzen auch sehr viele armenische Wörter. Meine Tochter und mein Enkelkind sprechen und lesen auf Armenisch. Meine Tochter ist auf eine russische Schule gegangen, hat aber an einer armenischen Universität studiert. Mein Enkelkind ist an einer armenischen Schule, aber es wäre besser, wenn sie auch auf eine russische Schule gehen würde. Das Problem besteht darin, dass es nur sehr wenige russischen Schulen gibt und die Zahl der Russischlehrer immer kleiner wird.

Wie wäre Ihr Leben, wenn Sie Armenier wären?

Ivan und Nadja: Genauso.

Was denken sie über die neuen Russen, die nach Armeniern ziehen?

Nadja: Wir kennen nicht so viele neuen Russen. Es gibt sehr wenige Russen, die zum leben hier her kommen. Nach Russland ist es schwer, in Armenien zu leben.

Ivan: Umgekehrt ist es auch schwer. Ich bin dreimal nach Russland gefahren, und dort habe ich das Gefühl gehabt, dass es in Armenien viel besser ist.

Nadja: Mein Mann ist ein großer armenischer Patriot.

Ivan: In Russland leben die Russen anders. Wir haben uns an Armenien gewöhnt. Ich werde niemals Armenien verlassen, ich werde hier sterben.

Was denken sie über die Armenisch-Türkischen Beziehungen und unsere Bloggerreise?

Ivan: Auf der ganzen Welt soll immer Frieden herrschen. Das ist mein einziger Wunsch. Diese zwei Völker müssen auch in Frieden leben und offene Grenzen haben. Krieg hat noch nie jemandem etwas gutes getan.

Nadja: Ich möchte, dass die Türken den Völkermord an den Armeniern anerkennen. Sie habe so viele Menschen getötet. Die Tatsachen und Bilder sind so schrecklich, das darf man nicht vergessen. Über eurer Programm kann ich sagen, dass es eine gute und gelungene Zusammenarbeit ist. Es ist ein wichtiger Schritt der jungen Generationen, um die Beziehungen zu verbessern.

Anfangs war Nadja sehr interessiert daran, die Fragen zu beantworten, aber später hat Ivan dann die Konversation in die Hand genommen. Nadjas Körpersprache war sehr ruhig und sie sah traurig aus; Ivan hingegen benutzt viel Mimik und Gestik während seiner Antworten und er war dabei sehr amüsant, aber streng. Als er angefangen hat zu husten, ist er vom Tisch gegangen, um unsere Aufnahme nicht zu stören. Ab und zu haben sie mit uns (den türkischen Studentinnen) Späße gemacht. Daher haben wir verstanden, dass sie sich wohlgefühlt haben. Bei der letzten Frage fing Nadja an zu weinen, aber lächelte gleich danach wieder. Vielleicht war das Lächeln Armenien und das Weinen Russland. Wie man so sagt: Lachen und Weinen sind Geschwister. Länder können sich ändern, aber die Gefühle sind immer da, vielleicht sind sie grenzenlos.

Yeranuhi Smbatyan, Irem Gülersönmez, Zeynep Öner