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Gastbeitrag: Armenisches Liebesorakel

Ein Gastbeitrag von Shushan Tadevosyan

Vor einigen Tagen war ich in der Oper „Anush“. Der Stoff basiert auf dem Poem des großen armenischen Dichters Hovhannes Tumanyan und es findet sich kaum ein Armenier, der die Geschichte dieser tragischen Liebe nicht kennt.

Es ist eine Oper in drei Akten, die fast drei Stunden dauert. Von atemberaubenden Kulissen, vielfältige Stimmen und Melodien in den Bann gezogen genoss ich diese drei Stunden erfüllt von Entzücken, Spannung und Begeisterung. Das wunderschöne Bühnenbild, die typisch armenische Kleidung und die bezaubernden Stimmen der Sänger – es war eine gelungene Inszenierung. Am allermeisten begeisterte mich ein ganz bestimmter Teil der Oper: jener Teil über das Fest von Christi Himmelfahrt. Anush und ihre Freundinnen sangen verschiedene Lieder, tanzten und machten Vorhersagen über die Liebe. Jede von ihnen fand ein Papierstück, auf dem geschrieben stand, was sie in Zukunft erwartete, wen sie heiraten würden, wie ihre Lebensgefährten aussehen würden usw.

Für mich war das wie eine schöne Erinnerungsreise in meine Kindheit. Ich dachte an diese Jahre zurück: wie wir damals eine Art Magie trieben, um herauszufinden, wer „der Traum unseres Herzens“ war. Wir trafen Vorhersagen mittel Karten, manchmal sogar mittels Zaubersprüchen beim Vollmond, wie wir sie in irgendwelchen Zeitschriften gelesen hatten. Wir deuteten Träume, wir machten Liebestests in Zeitschriften oder den Bonbontest. Bevor wir ins Bett gingen, legten wir einen Bonbon unters Kissen. In der Nacht sollten wir in unserem Traum unseren Lebensgefährten sehen. Dabei mussten die Bonbons unter dem Kissen unbedingt von einer Hochzeitsfeier stammen. Diese Herkunft gab uns viel Zuversicht. Voller Hoffnung gingen wir früh ins Bett, um möglichst schnell unsere Lebensgefährten zu finden. Wir waren überzeugt von diesen Weissagungen und von Zeichen des Liebesorakels.

Mit den Jahren aber begannen wir, die Welt und alles, was um uns herum geschieht und uns umgibt, realistischer betrachten. Neben den alltäglichen Problemen, dem Studium, der Arbeit und der Karriere rückte die Liebe in den Hintergrund. Wir hörten auf, an Aschenputtel-Geschichten, Zeichen und Vorhersagen des Liebesorakels zu glauben. Allerdings gibt es in Armenien einen Tag, an dem alle, sogar die Ungläubigen, ihren Glauben wiederfinden. Während die ganze Welt den Valentinstag feiert, feiern wir Armenier den Tag des Heiligen Sargis, des Schutzheiligen für die Jugend und die Verliebten. Dieser Feiertag ist besonders bei jungen Leuten sehr beliebt. An diesem Tag essen junge Mädchen stark gesalzenen Kuchen und trinken danach kein Wasser. Sie hoffen, dass sie im Traum ihren zukünftigen Lebensgefährten sehen werden. Derjenige, der ihnen im Traum Wasser bringt, soll der Sage nach in der Zukunft ihr Ehemann werden. Auf den ersten Blick scheint diese Vorhersage leicht getroffen. Aber es ist gar nicht so leicht, den brennenden, quälenden Durst nach dem Salzkuchen auszuhalten.

Das Ritual an sich ist nicht halb so lustig wie die Träume, die man dabei hat. Manche sehen in Traum Menschen, die sie gern haben, andere behaupten, sie hätten Schauspieler, Sänger oder sogar Fußballspieler gesehen. Manche bekommen Wasser, andere nicht. Ich zum Beispiel war immer ein hoffnungsloser Fall. Schon in der Kindheit hatte ich immer Pech bei Vorhersagen – so auch beim Salzkuchen. Und obwohl mir in meinem Traum niemand Wasser gab, habe ich nicht aufgegeben, sondern selbst den Wasserhahn geöffnet und dann Wasser getrunken. Deshalb bin ich skeptisch gegenüber diesen Vorhersagen und Traumdeutungen. Trotzdem esse aber auch ich manchmal Salzkuchen – vorgeblich zum Spaß, aber im Unterbewusstsein mit der Hoffnung, dass jemand mir Wasser geben wird.

Und obwohl diese armenischen Weissagungen, Feiertage, Liebesorakel und unsere innige Hoffnung anderen Menschen naiv, träumerisch und wirklichkeitsfern vorkommen mögen, so sind sie trotzdem ein unentbehrlicher Teil unserer Traditionen, Sitten und Bräuchen. Denn genau in solchen Dingen äußert sich meiner Meinung nach der Geist jeder Kultur.

 

Meine Familie

Mir bedeutet meine Familie viel. Meine Familie ist sechsköpfig. Als ich zur Welt kam, waren meine Eltern die Ersten, die ich kennengelernt habe. Den ersten Kontakt hatte ich zu meiner Familie. Zuerst kennt man als Kind nichts anderes. Nur mithilfe meiner Familie habe ich die Welt und die Menschen kennengelernt. Mit ihren Ratschlägen haben meine Eltern mir den richtigen Lebensweg gezeigt, mich aber nie zu einer Entscheidung gezwungen. Ich habe die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister so erzogen, dass wir engen Kontakt miteinander halten, obwohl meine Schwester längst eigene Familien gegründet haben. Ich danke meiner Familie für all das.

Eine Familie

Eine typisch armenische Familie besteht aus sieben Familienmitgliedern: Großeltern, Eltern und drei Kindern. Es kann auch vorkommen, dass zwei Brüdern mit ihren Familien zusammenleben. Im Vergleich mit einer europäischen Familie ist dies bereits viel. Heute haben wir solche Familien allerdings kaum noch. Paare versuchen, allein und ohne die Großeltern zu leben. Das Schlimmste ist, dass viele Paare nicht mehr als zwei Kinder bekommen wollen. In diesem Modell müssen die Großeltern allein leben und fühlen sich einsam. In traditionellen armenischen Familien haben das Sagen zuerst die Großeltern, dann der Vater und dann alle anderen. Alle Probleme werden innerhalb der Familie gelöst. Dass aber traditionelle Familien in Armenien seltener werden, hat meiner Meinung nach auch seine Vorteile:

  • Keine Probleme zwischen Braut und Schwiegermutter
  • Freiheit und Gleichberechtigung zwischen den Partnern

Oft sind sonst die Schwiegermütter eifersüchtig auf die Ehefrauen ihrer Söhne. Und auch die Gleichberechtigung und Freiheit halte ich für sehr wichtig. Meiner Meinung nach haben beide Familienmodelle – traditionell und modern – ihre schönen, positiven und negativen Eigenschaften. Ich persönlich bevorzuge die moderne Familie. In den traditionellen Familien fehlt mir etwas Essenzielles: Freiheit und Gleichberechtigung. Ich baue mein Leben auf Freiheit und Gleichberechtigung, weil ich weiß, dass ich ohne diese beiden Dinge nicht weiterleben kann. Aber warum sind sie mir eigentlich so wichtig?

Ich will versuchen, diese Frage zu beantworten: Diese Wörter sind nicht nur einfach Wörter. Ich glaube, Ruhe und Freude resultieren aus Freiheit und Gleichberechtigung, und wenn wir Ruhe und Freude haben, so haben wir auch Gesundheit. Alle wichtigen Punkte im Leben sind, so denke ich, mit Freiheit und Gleichberechtigung verbunden. Ich bin keine Feministin. Aber es gab Zeiten, als Frauen die Welt beherrschten, etwa 5000 Jahre lang, und es keine Kriege. Der Grund ist wahrscheinlich, dass die Frauen Ruhe mögen und nicht ohne ihren Söhne und Männer leben können. Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Wort „die Welt“ ist feminin. Ich finde, das sagt einiges.

Die Familie ist eine Maschine, wo alle Teile funktionieren müssen. Wenn etwas kaputt ist, funktioniert das ganze Gerät nicht mehr. Ich denke, die Familienmitglieder sollten gleich sein, sie sollen einander respektieren. Die Rolle der Frau ist sehr wichtig. Sie bringt alles – sowohl Freude als auch Unglück. Sie kann alles schaffen, sogar das, was unmöglich scheint, und dies ist der Grund, dass der bekannte armenische Schriftsteller Hovhannes Tumanjan gesagt hat: „Wenn nicht die Frauen und den Wein wären, könnte niemand den tapferen Tatul besiegen.“

Aber ich verurteile das traditionelle Familienmodell nicht. Wir sollten beide Modelle so vereinen, dass wir von beidem nur das Gute kombinieren. So werden unsere Familien fröhlich und stark.

Familie… Was verstehst du darunter?

Familie? Was verstehst du unter diesem Wort? Verwandte? Geborgenheit? Freude? Probleme? Das Teuerste auf der Welt oder ein einfaches Wort? Vielleicht kannst du mit keinem Wort beschreiben, was deine Familie für dich bedeutet oder was du fühlst, wenn du bei deiner Familie bist.

Familie? Hast du dir einmal vorgestellt, was die Kinder aus den Waisenhäusern fühlen? Sie haben irgendwann eine Familie gehabt, aber jetzt – nicht mehr. Sie wissen nicht mehr, was die Familienwärme ist, wie die Liebe der Eltern sich anfühlt und sie werden es nie erfahren.

“Nein!” – kannst du widersprechen. “Sie werden eines Tages von einem Ehepaar adoptiert.”

“Ja! Aber das ist keine perfekte Familie für ein Waisenkind, da es immer die Liebe suchen wird, die es nicht bekommen hat und nicht bekommen wird, da es nicht seine leibliche Eltern sind.”

Familie? Was ist eine Familie für ein Kind? Wenn du diese Frage an ein Kind stellst, was wird es antworten? Vielleicht ist die Familie “seine Mutter” oder “sein Vater”? Und was wird ein Waisenkind antworten? “Keine Ahnung” oder “das Waisenhaus”?

Letzteres kann als eine aufregende Antwort betrachtet werden. “Warum?” Weil die Waisenkinder, die noch keine Erfahrung vom Leben haben, die noch das Gute vom Schlechten nicht unterscheiden können, die auch selbst keine Entscheidung treffen, ihr Leben wie durch eine rosarote Brille betrachten.

Und jetzt kannst du dich nicht entscheiden, ob deine Familie für dich Geborgenheit, Freude, Verwandte, das Teuerste auf der Welt oder ein einfaches Wort ist?

Halt dich an deine Familie und steh zu ihr. Eines Tages kann es zu spät sein.

Die Familie

Man versteht das Wort „ Familie ” auf verschiedene Weise. Jeder hat eigene Vorstellungen über eine Familie, weil jeder in der eigenen Familie aufwächst. Außerdem unterscheidet man neue und traditionelle Formen der Familien. Es kommt darauf an, wer Familienoberhaupt ist: der Mann oder die Frau. Heutzutage ist schwer vorzustellen, dass es Zeiten des Matriarchates gab, als die Frau eine bevorzugte Stellung in Staat und Familie innehatte. Die Frauen besaßen größere Autorität als die Männer. In der heutigen Welt wird so etwas selten akzeptiert. Heute ist die Rede mehr über Patriarchat, wenn der Mann als absolutes Familienoberhaupt auftritt und alle wichtigen Entscheidungen trifft. Aber die Frau hat ihre spezielle Rolle. Die Familie ist ein System. Der Mann, die Frau, die Kinder sind Bestandteile des Systems und haben ihre eigene Stellung darin. Wenn ein Bestandteil nicht mehr richtig oder gut funktioniert, dann besteht die Gefahr, dass es dem ganzen System schaden wird. Die Familie spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung und Entfaltung der Kinder. Nicht umsonst sagt man, dass die Kinder der Spiegel der Familie sind. Nach dem Muster der Familie werden sie in der Zukunft das gleiche Familienleben führen. In Armenien haben wir mehr traditionelle Familien. Der Mann trägt die ganze Last auf seinen Schultern. Er arbeitet, er verdient Geld und versorgt die ganze Familie. Die Frauen erziehen die Kinder, kochen, führen den Haushalt. Es scheint ein Familienidyll zu sein, aber das ist es leider nicht. Es gibt Familien, wo die Männer fast das ganze Jahr nicht zu Hause sind, weil sie im Ausland Geld verdienen müssen. Es fällt den Frauen schwer, die Probleme und Schwierigkeiten alleine zu überwinden. Zugleich gibt es die Tendenz, dass immer mehr Frauen arbeiten wollen, weil die meisten von ihnen eine sehr gute Ausbildung haben. Ich weiß nicht, ob in der Zukunft in Armenien moderne oder traditionelle Familien dominieren werden, aber ich kann sicher sagen, dass im Laufe der armenischen Geschichte die Familie im Vordergrund stand, und ich hoffe, dass das so bleibt.

Die Familie

Was verstehen wir überhaupt unter dem Wort Familie? So manche Leute verstehen darunter ein ganzes Volk, andere halten die engen Verwandten für ihre Familie. Für wieder andere besteht die Familie aus Vater, Mutter und Geschwistern. Ich gehöre zu Letzteren. Für mich ist die Familie etwas, das mir das Gefühl von Geborgenheit gibt. Wo ich mich wohl, frei, froh und geborgen fühle. Viele Jugendliche träumen davon, alleine zu leben, ohne ihre Familie. Ich glaube, sie irren sich. Sie sollten verstehen, dass ihnen in schlechten Zeiten niemand helfen wird außer ihrer Familie. Wenn sie sich schlecht fühlen, wird sie niemand trösten außer ihrer Familie. Wenn sie etwas Schlechtes tun, wird ihnen niemand helfen außer ihre Familie. Es gibt überhaupt keine Freunde oder Freundinnen, keine Bekannten, die für sie etwas Gutes tun oder etwas Gutes auch nur tun wollen. Sie alle sind von oben bis unten falsch, eine reine Lüge. Doch diese Lüge hat heute mehr Rückhalt in unserem Leben als die Wahrheit. Ja, die Lüge ist ein Ding des Teufels. Doch man muss lernen, den Teufel zu sehen, um das Gute und die Wahrheit entdecken und erkennen zu können. Ich bin noch kein sonderlich erwachsener Mensch, der in seinem Leben vieles gesehen, erkannt und verstanden hat, aber eines weiß ich genau: Man muss seine Familie schätzen. Und man darf nicht vergessen, dass in Zukunft wir auch den Kern einer Familie bilden werden. Und dann werden wir alles Menschenmögliche tun, damit unsere Familie nicht scheitert. Wenn jeder von uns das begreift, werden wir unsere Familien nie im Stich lassen.

Eine Erinnerung an eine traditionelle Familie

Familie ist der wichtigste Teil jeder Gesellschaft. Jedes Kind wird von seiner Familie beeinflusst und das Kind beeinflusst wiederum die Gesellschaft. Für ein Kind ist eine Familie die erste Schule, die erste freundliche Umgebung, ein Ort, an dem es immer willkommen ist.

Die türkische Familie hat sich im Laufe der Zeit geändert: In der Vergangenheit gab es größere Familien, die in großen Häusern lebten, ihre Mahlzeiten teilten, die ganze Nacht zusammen saßen. Heutzutage dagegen gibt es viele kleinere Familien, die ihre Häuser voll von technischen „Trennungen“ haben. Jetzt schauen die Familienmitglieder nach einem langen Tag Fernsehen und surfen im Internet, anstatt miteinander zu reden und einander zuzuhören.

Als glückliches Kind kann ich sagen, dass sich meine Familie in der Mitte zwischen der traditionellen und der modernen Familie befindet. Da wir ganz in der Nähe vom Haus meiner Großeltern leben, konnte ich viele Geschichten von ihnen über die Vergangenheit hören…

Mein Großvater war ein Geschäftsmann, während meine Großmutter eine Hausfrau war. Obwohl die Ehe arrangiert war, waren sie glücklich und sie haben am Schwarzen Meer, in einer Stadt namens Tokat, geheiratet. Als die Familie meiner Großeltern größer wurde, zogen sie mit ihren drei Kindern nach Ankara, um das Geschäft meines Großvaters zu erweitern und um ein besseres Leben in einer größeren Stadt zu finden. Am Anfang ihres neuen Lebens in Ankara hatten sie ein kleineres Haus in einem Wohnquartier. Die Kinder wurden in die Schule geschickt oder mussten meinem Großvater bei der Arbeit helfen, während meine Großmutter sich um den Haushalt kümmerte. Meine Großeltern waren sehr gastfreundlich, deshalb kamen abends immer Verwandte oder Nachbarn vorbei, um sich zu unterhalten.
Die Gastfreundschaft meiner Großeltern war ein wichtiger Grund, weshalb sie so viele Gäste zu Hause hatten, aber ich glaube, ein anderer Grund war, dass sie als erste einen Fernseher aus Deutschland geschenkt bekommen hatten. Das war zu einer Zeit, als es in der Türkei noch keine Fernseher gab. Ihre Verwandten, Nachbarn und Bekannten wollten meine Großeltern über diese neue Technologie befragen und sich mit dem magischen Kasten unterhalten. Meine Mutter hat mir erzählt, wie voll ihr Haus war: Während sie an der Universität studierte, musste sie die Kissen im Schlafzimmer ihrer Eltern als Tisch benutzen, um lernen zu können, denn das war der einzige Raum, in dem kein Verwandter oder Nachbar war.
Meine Großeltern waren nicht so reich, aber wenn es eine Mahlzeit gab, waren alle eingeladen und es wurde erst dann gegessen, wenn alle am Tisch saßen. „Die Tür des Hauses ist offen für alle…“, wie mein Großvater zu sagen pflegt. Alle, die das Haus betraten, wurden als Mitglieder der Familie behandelt und versorgt. Ihr Glück wurde geteilt, ihre Probleme wurden gemeinsam gelöst.

Die Geschichten, die ich von meinen Großeltern gehört habe, klingen ganz anders als das Leben der heutigen Familien. Ich hoffe, dass zumindest die Geschichten der traditionellen Großfamilien weiterhin geteilt werden, um zu zeigen, wie wichtig eine große Familie ist.

Familien in der Großstadt

Früher lebten die meisten Familien in der Türkei auf dem Dorf. Aber in den vergangenen Jahrzehnten hat sich vieles verändert. Jetzt ziehen sie es vor, in Großstädten zu leben. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Ein Vorteil ist, dass sie viele Möglichkeiten haben und alles machen können, was sie wollen. Zum Beispiel können sie ins Kino gehen oder einkaufen, was sie wollen. Sie können alles finden, was sie und ihre Kinder zum Leben brauchen. Das Leben in der Großstadt hat aber auch einige Nachteile. Zum Beispiel hat es die Mitglieder der Familie einander entfremdet. Sie haben viele Beschäftigungen, wie ihre Arbeit, ihre Freunde und ihre Freizeitaktivitäten. Sie haben keine Zeit mehr, sich füreinander zu interessieren. Sie können einander nicht mehr zuhören. Sie kümmern sich nicht um die Probleme der anderen. Das beinflusst die Kinder und die Beziehung zwischen den Kindern und den Eltern. Außerdem können die Kinder nicht draußen spielen, denn das ist unsicher. Sie müssen zu Hause bleiben und spielen mit ihrem Spielzeug und technischen Geräten. Das macht die Kinder weniger sozial. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich Verwandte in den Großstädten nicht so leicht treffen können, weil die Wege sehr weit sind und es viel Verkehr gibt, und so werden die Beziehungen in der Familie schwächer.

Familiengeschichte

Ich erinnere mich nicht genau, weil ich sehr klein war. Aber es ist eine wichtige Geschichte für meine Familie. Ich bin sicher, dass die Geschichte öfter als einmal erzählt wurde.

Es war ein kalter und schwerer Winter in Ankara und wir waren bei unseren Nachbarn eingeladen. Das war ein großes Treffen mit vielen Menschen: Großeltern, Eltern und Kindern der Familie. Am Ende der Nacht haben alle Gäste ihre Mäntel, Schuhe und Hüte angezogen. Nur eine alte Frau hat ihren Mantel nicht angezogen. Da habe ich gesagt: „Nene (Großmutter), zieh deinen Mantel an.“

Warum ist diese Geschichte so wichtig für meine Familie? – Das war mein erster Satz!