Interview mit Aydin Ardestano, einem Iraner in Eriwan

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Erzählen Sie uns bitte Ihre Lebensgeschichte. Wann und wo sind Sie geboren?

Ich bin 1987 im Iran geboren. Bis ich 17 Jahre alt war, habe ich im Iran gelebt. Dann bin ich nach Armenien gezogen, habe hier studiert und gearbeitet.

Wie fühlen Sie sich als Iraner in Armenien?

Das ist keine leichte Frage (lacht). Ich kann auf diese Frage nicht allgemein antworten. Es gibt nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile.

Wenn Sie Menschen treffen, wie begegnen sie Ihnen? Stellen Sie sich als Iraner oder als Armenier vor?

Auf diese Frage kann ich auch nicht allgemein antworten, da es viele Leute gibt, die mich akzeptieren, wie ich bin und wir werden gute Freunde. Aber es gibt auch solche Menschen, die mit mir wegen meiner Nationalität keinen Kontakt wollen.

Haben Sie schnell Armenisch gelernt und gibt es Unterschiede oder Ähnlichkeiten zwischen der armenischen und persischen Sprache?

Für mich war es leicht, Armenisch zu lernen, da es viele ähnliche Wörter gibt und auch in der Grammatik gibt es Ähnlichkeiten.

Warum sind Sie nach Armenien gekommen, um zu studieren oder zu arbeiten?

Ehrlich gesagt, wollte ich nach Kanada fahren, um dort zu studieren und zu arbeiten. Aber es hat nicht geklappt. Eines Tages habe ich ein Magazin gekauft und entdeckte eine Anzeige über ein Ausbildungsprogramm in Armenien. Das hat mich interessiert und ich beschloss nach Armenien zu fahren. Aber eigentlich kam ich nur für den Bachelor.

Welchen Schwierigkeiten sind Sie in Armenien begegnet, als Sie mit 17 nach Armenien kamen?

Für einen 17-jährigen Jungen war es schwer, sich in einer fremden Umgebung zu orientieren. Ich konnte die Sprache nicht, hatte keine Freunde, bei denen ich übernachten konnte. Ich habe sogar im Mülleimer geschlafen. Mein Vater ist reich, aber ich wollte niemanden um Hilfe bitten. Ich bin eine Person, die sich viel Mühe gibt und seinen Erfolg selbst erreichen möchte. Aber Gott sei Dank habe ich die Sprache schnell gelernt und konnte bald mein täglich Brot selbst verdienen.

Welchen Beruf haben Sie gewählt?

Ich habe den Beruf des Computerprogrammierers gewählt. Ich habe meinen Bachelor beendet und mache jetzt meinen Master.

Arbeiten Sie jetzt n dem Bereich?

Leider nicht. Ich habe keine ständige Arbeit und bin in verschiedenen Jobs tätig. Ich bitte um Entschuldigung, aber ich kann nicht über meine Arbeit sprechen, weil es geheim ist und ich Probleme bekommen könnte.

Sind Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden ?

Ja. Mit meiner Arbeit verdiene ich genug Geld zum Leben. In Armenien kann ich meine Arbeit frei ausüben, weil die Leute mir vertrauen. Aber im Iran ist es schwer, sein eigenes Geschäft zu führen, weil man immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.

Haben Sie Unterschiede zwischen Armenien und Iran bemerkt, seitdem Sie in Armenien leben. Wenn ja, welche?

Ja. In Armenien ist die Ausbildung billiger als im Iran und auch die Lebensbedingungen sind hier besser, man kann frei mit seinen Freunden eine gute Zeit verbringen. Bei meiner Ankunft in Armenien hatte ich lange Haare und einen langen Bart und es war ungewöhnlich für die Menschen hier. Aber heute ist Armenien ein entwickeltes Land und du kannst machen, was du willst natürlich im Rahmen des Gesetzes.

Was würden Sie über Frauenrechte von Frauen in Armenien und im Iran sagen, besonders über Kopftücher?

Natürlich haben die Frauen in Armenien mehr Rechte als im Iran. Aber meiner Meinung nach sollten sich die Frauen im Iran nicht über die Kopftücher beschweren. Es ist halt ein Gesetz des Landes. Und ich glaube, sie haben sich schon daran gewöhnt. Außerdem sind im Iran die Vorschriften für Kopftücher nicht so streng wie in anderen islamischen Ländern, weil die Frau nur die Haare bedecken soll, nicht das ganze Gesicht. Für mich ist auch jede neue Regel schwer zu akzeptieren. Aber wir können nichts anderes machen.

Wir haben gehört, dass sich die Iraner in Armenien nicht so gut benehmen, was denken Sie darüber?

Ich habe auch gehört, dass die Iraner hier schlechte Dinge machen, die sie im Iran nicht machen dürfen und können. Ich selbst schäme mich dafür, denn wenn man in einem Land lebt, soll man dieses Land und sein Volk achten. Leider kann Armenien die Grenzen nicht schließen, weil die Touristen dem Land Geld bringen. Sogar im Fall einer Grenzschließung würden die Iraner dasselbe einfach in einem anderen Land machen. Aber in Armenien sind die Bedingungen sehr günstig.

Wenn Sie eine Möglichkeit hätten, was würden Sie in Armenien oder im Iran ändern?

Das erste, das ich in Armenien machen würde, wäre die Grenze zur Türkei zu öffnen. Das könnte die wirtschaftliche Lage Armeniens verbessern. Das sage ich nicht deshalb, weil ich die Türkei liebe  ­ im Gegenteil, es würde meine Arbeit beeinträchtigen sondern weil es Frieden auf der Welt geben soll. Im Iran würde ich Ausländern die Möglichkeit geben, eigene Geschäfte zu führen. Das würde der Wirtschaft des Irans helfen. Der Iran ist ein reiches Land, aber die Menschen sind nicht so reich, weil es kaum Arbeit gibt.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Bleiben Sie in Armenien oder gehen Sie zurück?

Bald werde ich mit meiner Masterarbeit fertig sein und wenn meine Arbeit so weitergeht, bleibe ich vielleicht in Armenien, aber ich bin mir noch nicht sicher. Wenn nicht, dann habe ich den Plan, zu meiner Schwester nach Dänemark zu gehen.

Was würden Sie über die Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei sagen?

Ich wünsche mir sehr, dass man für dieses Problem möglichst schnell eine Lösung findet. Das würde beiden Ländern nützen. Für mich hat es keine Bedeutung, ob die Türkei den Völkermord zugibt oder nicht.

Suzanna Galoyan, Aydan Tekin

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