Unsere Tragikomödie in 40 Jahren

Es war eine besondere Gruppe, die sich jedes Jahr am 16. August traf. Mariam,
Zeynep und Gizem sind damit gemeint. Bevor das diesjährige Treffen stattfand, passierte etwas Unerwartetes. Zeynep hatte Selbstmord begangen. Die Gruppe traf sich jedes Jahr in einem anderen Land. Aber dieses Mal traten Schwierigkeiten auf. Sie wussten nicht mehr, wo sie sich treffen sollten. Kein Platz auf der Welt war im Moment für ein Treffen geeignet. Sie wollten nur zu ihr. Ihr Grab war auf dem siebten Kontinent, in Australien. Genauer gesagt war das Grab am Meer, wo die Sonne und der Mond immer Wache hielten.

Gizem: Du bist ja immer noch dieselbe!

Mariam: Natürlich. Es ist schwierig sich zu verändern, wenn man perfekt ist.

Gizem: Wo du recht hast, hast du recht!

Mariam: Erzähl doch mal, was hast du im letzten Jahr gemacht?

Gizem: Dies und das. Ich bin in Rente gegangen und genieße meine Freizeit. Ich lebe in einer kleinen Stadt, wo sich alle Menschen kennen und ich glaube, dass ich mich selbst verwirklicht habe. Was ist mit dir?

Mariam: Ich habe meinen eigenen Pub eröffnet. Er heißt Vampir Pub. Es gibt spezielle Tage, an denen man in Kostümen kommt. Aber du brauchst ja gar kein Kostüm dafür! (Lacht wie eine Hexe)

Gizem: Jaja. Das sagst ausgerechnet du! Aber ein Pub ich freue mich für dich.

Mariam: Ach und noch etwas! Aydan arbeitet für mich und Zare auch! Aydan ist Kellnerin
und tanzt Abends lateinamerikanische Tänze. Zare ist Geschirrspülerin. Sie ist sehr fleißig.

Gizem: Das hört sich toll an! Hast du gehört? Die Grenze wurde dieses Jahr geöffnet. Endlich!

Mariam: Ja, diese Grenze wurde geöffnet, aber jetzt gehen wir zur einer anderen Grenze. (Langes Schweigen)

Gizem: Du hast recht. Das Grab von Zeynep wurde für uns wie eine Grenze zwischen Leben und Tod.

Sie stehen am Grab und schweigen wieder eine Weile. Es ist bewölkt. Die Tränen, die sie nicht vergießen können, fallen in Form von Regen auf die Erde.

Gizem: 40 Jahre. 40 volle Jahre. Die Zeit hat wirklich Flügel. Erinnerst du dich an unsere erste gemeinsame Begegnung?

Mariam: Ja, ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Ich erinnere mich z. B. daran, wie Wiebke uns immer gezählt hat. Mit unserem Projekt haben wir schon damals die Grenzen geöffnet.

Gizem: Das Leben ist sehr seltsam. Ein Projekt führte zu einer wundervollen Freundschaft.

Mariam: Zeynep war wie eine Schwester für mich. Warum hat sie das sich angetan? Warum hat sie uns das angetan?

Gizem: Ja! Warum hast du das getan, Zeynep?

Sie schauen zum Grab. Zeynep beobachtet die beiden von der 13. Wolke und antwortet.

Zeynep: Eines Tages ging ich schlafen und früh am Morgen fühlte ich, dass mich ein Regenbogen umwickelt hatte. Im Regenbogen sah ich all die Menschen, die ich kennengelernt hatte, all die Länder, all die Religionen. Das Einzige, was ich gelernt hatte, war, dass wir all diese Dinge brauchen, um glücklich zu werden, damit wir in einer Welt leben können, die grenzenlos ist. Aber auf dieser Welt gibt es Menschen, die keines dieser Dinge besitzen. Mit der Beendigung meines Lebens habe ich auf meine Art und Weise für Gerechtigkeit gesorgt.

Gizem und Mariam hören diese Aussage nicht, sie sind in Gedanken vertieft. Genau in diesem Moment fallen zwei große Regentropfen auf die beiden Frauen.

Mariam: Hast du das auch gefühlt?

Gizem: Und wie! Als hätte Zeynep uns von oben angespuckt!

Zeynep, Mariam und Gizem K

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